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Bewegte Zeiten

der eisbrecher im Juli 1968

"Es hat keinen Zweck, wie ein Vogel Strauß den Kopf in den Sand zu stecken. Wir können dafür sein oder dagegen – aber wir müssen uns so oder so mit dem Phänomen der Protestwellen auseinandersetzen. In unseren Horten und Gruppen wird über diese Entwicklung diskutiert. Wir würden uns dem erneuten Vorwurf aussetzen, vor der Wirklichkeit in die Wälder zu flüchten, wollten wir von den Demonstrationen die Augen verschließen."

Erst einmal mag so mancher gar nicht glauben, dass es den eisbrecher in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts überhaupt schon gegeben hat. Im Juli 1968 kam allerdings bereits die 40. Ausgabe der Zeitschrift auf den Markt und wartete - zumindest für die bis dahin traditionell gestimmte Leserschaft - mit einer Überraschung auf: Die in jenem Sommer allgegenwärtigen Demonstration junger Studenten machten auch vor dem eisbrecher nicht Halt. Statt Fahrt und Feuer ging es im Heft plötzlich um Kommune und Establishment. Und dennoch: Der Versuch, Verbindungen zwischen beiden Bewegungen zu finden, sich den neuen Herausforderungen (und auch Schauplätzen) zu stellen und bei allem den bündischen Gedanken in Bewegung zu halten, prägte dieses Heft. Das macht es zu einem bis heute interessanten Zeugnis einer noch gar nicht so lange vergangenen Zeit.

Den eisbrecher vom Juli 1968 muss man einfach als Ganzes erlebt haben. Daher gibt es ihn hier nun wieder in digitalisierter Form - vom Editorial bis zur Schlussbemerkung. Viel Vergnügen beim Durchblättern.

"Wer kennt nicht den steifen Pomp von Familienfeiern mit lieber Verwandtschaft, bei denen einer dem anderen etwas vormacht. Plötzlich soll quirlendes Leben hinter bürgerlicher Fassade verschwinden. Die jetzt beginnende Auseinandersetzung soll selbstverständlich fair geführt werden. Du gehst also zu Deinem Vater und erklärst ihm ruhig und sachlich, Du würdest Dich auf diesem Fest langweilen. Du stellst ihm alle Vorteile dar, die daraus erwachsen, wenn Du nicht anwesend seist. So würde Essen gespart, am Tisch wäre es ohnehin zu eng und außerdem wollest Du mit Deiner Horte der auf Fahrt.
Wenn Deine Eltern einsichtig sind, schieben sie Dich mit einem Aufatmen der Erleichterung ab und schenken Dir noch fünf DM für die Fahrt. Sind sie es nicht, musst Du Deinen Vater vorsorglich darauf hinweisen, eine erzwungene Teilnahme am Fest könne unliebsame Entwicklungen auslösen. Kommt jetzt die übliche Ohrfeige und das väterliche Machtwort, nimmt das Verhängnis seinen Lauf. Aber Dein Gewissen kann als entlastet gelten."


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