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Anderersaits

Die Diskussion um Erich Scholz (olka) geht weiter

Wir veröffentlichen weiter unten eine kommentierte Fassung unseres Artikels „Die andere Saite“ mit Anmerkungen u.a. von Jürgen Reulecke, Fritz Schmidt und dem Autor selbst. Weiterhin bieten wir euch einen Reader mit den der Argumentation beider Seiten zugrundeliegenden Quellen an.


Gerade wieder gibt sich die Singerunde dem Sog hin und gleitet scheinbar unbeschwert vom Kamm ins nächste Wellental. Wo eben noch lauthals geschmettert wurde, werden die Lieder nun ein bisschen leiser. Es ist spät geworden, zugegeben, die Stimmen sind auch schon etwas heiser, jetzt wird es Zeit für etwas Besinnliches. „Bruder, nun wird es Abend“, kein Lied passt besser. Der erste Akkord ist schon gezupft, da kommt der Einwand „Olka? Kann man den denn überhaupt noch singen?“

In der eisbrecher Ausgabe 3.06 veröffentlichten wir einen Artikel über Erich Scholz, einen in den Bünden unter seinem Fahrtennamen olka bis heute weithin bekannten Schöpfer beliebter Lieder. Schon seit einigen Jahren weiß man, dass Erich Scholz am Nationalsozialismus aktiv beteiligt war, eine Tatsache, die die in den jungen Gruppen aber sehr selten diskutiert wird. Mit dem Artikel äußerten wir unseren Wunsch nach einer Fortführung dieser Debatte unter den heute Aktiven. Die Frage bleibt, ob die in den Liedern transportierten Botschaften nicht in einem krassen Gegensatz zu olkas zumindest damaligen politischen Auffassungen stehen – und wie wir gegenwärtig damit umgehen sollen.

Auf den Artikel gab es spontan verschiedene Erwiderungen. Stellvertretend für andere bat Jürgen Reulecke darum, „die Biographie eines Menschen in ihren vielfältigen Schattierungen zu begreifen“. Es passt also, dass wir den Artikel nicht als Kampagne gegen olka, sondern als eine Diskussionsgrundlage verstehen, die Reaktionen und Ergänzungen aus verschiedenen Richtungen geradezu erwünscht.

Man muss anmerken, dass unser Artikel bislang ausschließlich eine ältere Generation ehemaliger Bündischer auf den Plan gerufen hat. Ihre Einwände – teils noch aus der persönlichen Bekanntschaft mit olka, teils aus eigenen Nachforschungen erwachsen – konnten unser Bild vom Leben Erich Scholz' erweitern, wenngleich auch nicht in dem Maße zum Guten revidieren, wie sie es sich vielleicht wünschten. Wir veröffentlichen hier im Netz nun eine kommentierte Fassung unseres letzten Artikels - in der Hoffnung in der Darstellung verschiedener Auffassungen ausreichend Meinungsvielfalt zu gewährleisten. Den Anspruch und die Kapazität, olkas Leben in seiner Gänze historisch aufzubereiten, haben wir nicht – gleichwohl ist es aber auch nicht in unserem Interesse, Dinge einseitig darzustellen, zu verdrehen oder auch zu verschweigen.

Wir meinen, dass jeder, der wie wir einige von olkas Liedern gerne mag, um dessen Lebensgeschichte wissen und sich mit ihr kritisch auseinandersetzen sollte. Das heißt in erster Linie, sich zu informieren und zu diskutieren, sind dies doch schließlich die Mittel eines grundsätzlich bewussten Umganges mit den Zeugnissen der Vergangenheit, so sie uns heute noch berühren. Im Äußersten kann es auch heißen, olkas Lieder in der Singerunde fortan zu meiden – aber eigentlich glauben wir nicht, dass das nötig ist.


Den kommentierten Artikel zusammen mit einem Quellenreader: eisbrecher-reader_erich_scholz.pdf